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12.01.20

Die Doofnasen Family ~ Neujahrsputz


Eigentlich bin ich kein Freund vom Putzen. Erst Recht nicht traditionsbedingt in Form eines Neujahrsputzes. Ich bin dazu viel zu faul und es nervt einfach, außerdem ist das kostbare Lebenszeit die man mit einer unliebsamen Beschäftigung verdaddelt. Eigentlich. Aber wie das so ist mit diversen chaosliebenden Familienmitgliedern, stapelt sich in einigen Monaten ziemlich viel verirrtes und teils überflüssiges Zeugs an Plätzen, an die es definitiv nicht gehört. Wenn man dann zum Beispiel einen Cafébecher aus dem Geschirrschrank holen will und einem eine Porzellanlawine entgegenkommt, ist das nicht nur nervig, sondern direkt gefährlich. Und die kommt einem erstens zwar wegen zu vieler Cafébecher entgegen, aber auch weil da kurzerhand Dinge reingestopft werden, bei denen man sich fragt, was der Täter sich bei der Wahl der Unterkunft für seinen Gegenstand gedacht hat? So finde ich zum Beispiel ein Schnitzmesser in einem Cafébecher, oder Streichhölzer hinter einem Thermobecher. Letzeres macht ja eventuell noch Sinn, so hat sich der Kreativling sicher gedacht, beim nächsten Outdoor-Cafékränzchen im Freien bei der Gelegenheit gleich ein Feuerchen anzuzünden?

Bei Tieren verhält sich das allerdings so, dass sie sich nicht selber neujahrsputzen könne, zumindest nicht, wie der Mensch das mit seiner Behausung machen würde. Der Hühnerstall, Paddock meiner Pferde, der Hundekorb müssen natürlich von mir gereinigt und aufgeräumt werden. (Zumindest bei den Pferden muss ich das nicht ständig selber machen, beinhaltet das auch jedes Mal eine 5km lange Anreise mit dem Auto.) In Großbetrieben gibt es dann oft eine Bestandsaufnahme. Die Bestandsaufnahme mache ich hier sicherheitshalber täglich, da hier schon mal das ein oder andere Tier abhandenkommt. Hund schläft zum Beispiel kurzerhand draußen auf der Terrasse, weil irgendeiner vergessen hat ihn wieder rein zulassen. Und er meldet sich auch mit keinem Mucks, dass er wieder rein will. Die Hühner sind manchmal recht dämlich und finden ihren Weg nicht zurück in den Stall.

Ich stehe also vor der Küche und ertrage es schlicht nicht mehr, wie viel Zeug da herum liegt. Eigentlich wollte ich ein Zimmer renovieren, das Sohn2 bekommen soll. Kinderspielzeug zu sortieren ist so ziemlich die schlimmste Strafarbeit und so schleiche ich täglich mit hängenden Schultern an dem Zimmer vorbei und finde ständig eine Ausrede, warum ich das gerade jetzt nicht tun kann. Die Küche ist also erst einmal wichtiger. Nach den Feiertagen, an denen traditionsgemäß „Modell Ehegatte“ kocht, sieht es auch dementsprechend aus. Dabei gab es Raclette und Fondue. Ich frage mich, wie manche Männer das immer hinbekommen, so viel Chaos zu verbreiten? Am einfachsten wäre es, man würde ein Handgranate nehmen, reinwerfen, Tür zu. Danach noch ausfegen, fertig.

Ich räume also die Arbeitsplatte auf und bleibe ständig mit den Socken an einer Klebestelle vor der Spüle hängen. Da ja Hund ein großer felliger Geselle ist, ist meine Socke nicht das einzige, was am Boden klebt. Staubsauger, drüber wischen, das wäre schon mal behoben. Bis ich alles auf den Arbeitsbereichen entfernt und gereinigt habe, vergehen ein paar Stündchen. Ich überlege mich zu belohnen und will mir einen Café machen. Dazu brauche ich natürlich meinen Lieblingsbecher. Ich öffne den Geschirrschrank, als mir plötzlich mindestens vier Becher entgegen fallen. Wild gestapelt und rein gequetscht haben sie ihr Gegengewicht durch die Tür verloren und ich muss schlagartig meine Akrobatik-Künste unter Beweis stellen und jongliere hin und her, damit keiner von ihnen runterfällt. Es gelingt und ich bin im Nachhinein stolz auf meine Reaktionsschnelligkeit, die so gar nicht zu meinem fortgeschrittenen Alter passen will. Chakka – Du schaffst das! Café gemacht und weil meine Laune besser wird, noch ohrenbetäubend Musik angestellt. Beim Betrachten des Becherschrankes frage ich mich just in dem Moment, wie da noch die weiteren Becher aus der Spülmaschine reinpassen sollen? Meistens sind ja nie alle Porzellanteile auf einmal gesammelt in den Schränken im Alltag. Nur im Urlaub. Da wir so viele sind, ist immer was in der Spülmaschine. Ein ewiger Kreislauf sozusagen. Ich hole mir einen Hocker, leider bin ich auch nicht die Größte und Küchenschränke sind garantiert von großen Männern konzipiert worden, und betrachte mir den hinteren Schrankbereich. Ich fange an die Becher auf die freien und aufgeräumten Arbeitspatten zu stellen und finde dabei die schrillsten Dinge. Schnitzmesser, Streichhölzer, ein Weinglas, Fliegenmumien, jede Menge Babybecher (der Jüngste hier ist 8 und findet alles „babymässig“ außer seine Harley-Days-Becher aus Hamburg. Allerdings sind die wirklich cool!), eine Minitasse mit einer Nase?? Könnte ich ja den Doofnasen vererben...

Als alles raus geräumt ist, stelle ich fest, dass der Schrank wirklich irrsinnig eingestaubt ist. Ich putze alles akribisch und verfahre so noch mit den weiteren Schränken. Dabei miste ich auch allerhand Unnützes aus. Inzwischen ist es abends. Die Kinder kommen vorbei und fragen, ob es heute noch was zu essen gibt. „Was?? Jetzt wo alles fast fertig ist, neeee, hier wird jetzt nix mehr eingesaut!“ In Gedanken führe ich den Satz fort: „ Die nächsten Wochen gehen wir essen!“ Komischerweise fällt Kindern immer erst abends ein, dass sie sowas wie Hunger verspüren. Ich schlage ihnen vor, sich doch ein Müsli zu machen. Da die sowas eh immer gerne essen, mault auch keiner rum und sie verschwinden wieder in ihre Zimmer. Ich betrachte mein Werk. Und finde meine Küche plötzlich wieder toll. Allerdings ist jetzt die Arbeitsplatte wieder zugestellt mit ausgemisteten Sachen. Das geht natürlich auch nicht und so fotografiere ich alles und stelle es in diverse WhatsApp Gruppen meiner Freunde zum Verschenken ein. Prompt sind schon nach 5 Minuten zwei Becher reserviert. Den Rest beschließe ich weg zu schmeißen. Beim Sitzen und Schreiben merke ich wie mir schwindelig wird. Ich beende die Putzaktion und bin äußerst zufrieden, kann es aber irgendwie nicht so wirklich genießen, weil es mir immer schlechter geht. In der Nacht werde ich krank.

Fazit: So wichtig die Aufräumaktionen auch sein mögen, so gefährlich scheinen sie auch zu sein. Die meisten Unfälle passieren ja statistisch gesehen bei der Hausarbeit. Offenbar habe ich irgendwelche Uralt-Erreger freigesetzt, wie bei der Gletscherschmelze bedingt durch die Erderwärmung. Oder die Fliegenleichen waren infiziert. Ich beschließe, dieses Jahr sowas nicht mehr zu wiederholen. Aus Sicherheitsgründen. Leider hilft da auch kein Café mehr.

Ein gesundes Wochenende wünsche ich Euch🍀



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