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23.03.20

Buchvorstellung, die 3.ste

Heilwig von der Mehden war eine deutsche Autorin, aber auch Kolumnistin.  Ihre Kolumnen erschienen regelmäßig alle 14 Tage in der Zeitschrift Brigitte. Außerdem hat sie zahlreiche Bücher geschrieben. Die meisten besitze ich. Gar nicht so einfach, die heute noch zu bekommen. Verheiratet war von der Mehden   mit dem Journalisten und Politiker Conrad Ahlers
Wer kennt sie nicht. Den Alltag und seine Tücken.
 Man sollte übrigens die Männer so nehmen, wie sie sind. Das sagt uns auch die Autorin in ihrem Buch „Nehmt die Männer so wie sie sind. Es gibt keine anderen“ 1972. Es ist ein kritischer Spiegel für die Herren der Schöpfung. Es erzählt von was ganz Alltäglichem: von den Männern, so wie wir die Gelegenheit haben, sie an gewöhnlichen Wochentagen erleben. Mit all ihrer Torheit und Merkwürdigkeiten in stolze und weniger stolzen Augenblicken, in Gesundheit und Krankheit, mit all den Eigenschaften uns hoffnungslos enervieren und auch die, um deren willen wir sie von ganzem Herz lieben
Lauter nette Leute, man merkt es nur nicht immer“ 1981. So die Autorin im nächsten Band. Also, es gibt wirklich reizende Menschen, die auf selbstlose Art und Weise um unser Wohl besorgt sind. Sie zerbreche sich pausenlos den Kopf um unsere Angelegenheiten, decken uns mit guten Ratschlägen ein, sehen schwarz für unsere Zukunft und konstatieren, dass wir wieder einmal besonders elend aussehen. Schade nur, dass sie uns so hoffnungslos auf die Nerven gehen, obwohl sie es o gut meinen. Wer kennt dieses Szenario nicht….
 „Disteln aus Nachbars Garten“1992. Wer hat ihn nicht schon erlebt – den Handwerksmeister, der hoch und heilig versprochen hat, gleich am Montagmorgen früh um sieben aufzutauchen, um, wie seit Wochen versprochen, das Wohnzimmer nu zu tapezieren. Und natürlich kommt er nicht, auch nicht am Dienstag oder Mittwoch.  Dann fragt sich die Autorin noch, wie kämpft mit Mücken, Wühlmäusen und Leute, die es nur allzu gut mit einem meinen Wie pflegt man sensible Männer und wann lässt sich am besten streiten. Fragen über Fragen…



 „Eigentlich nur halb so schlimm. . weil es den anderen auch so geht“ 1985.  Habt Ihr Euch das auch schon mal gesagt?  Oder gewünscht?  Auf missliche Situationen humorvoll reagieren zu können?  Hier plaudert Heidwig von der Mehden über  anstrengende kindergeburtstage, Angst vor dem Zeugnis Tag, dem Kampf gegen die Unordnung im Hause, über Hunde, die sich als Nagetiere erweisen, die Schramme am Auto, die verlegte Brille oder eine vertrackte Gebrauchsanweisung Und fragt sich dabei, soll man sich dadurch den Tag verderben lassen? Bei Licht betrachtet, sei doch eigentlich alles nur halb so schlimm…
 Freizeit, ein wertvolles Gut. Und man freut sich eigentlich immer darauf. Aber was ist, wenn man zu viel davon hat. Oder anders gefragt: „Und was tun, wenn nichts zu tun ist? Von den Freuden und Leiden der Freizeit. 1978.  Wir kennen doch alle das alte Sprichwort: Nach getaner Arbeit ist gut ruhn. Aber nicht immer ist es so, denn nach getaner Arbeit erwartet uns nämlich die Freizeit mit allen ihren Problemen: Die Entscheidung, ob man fernsehen soll und die mancherlei Erfahrung, die man dabei macht ,den Entschluss, zu wandern oder ins Kino zu gehen, einmal gründlich auszuschlafen oder vor Tau und Tag das Hallenbad aufzusuchen.  Mit guten Freunden kann man zu m Essen gehen oder über Richard Wagner streiten, man veranstaltet Partys, kreiert Karnevalskostüme, plant ruhige Wochenenden, aus denen nie etwas wird, liest gute oder weniger gute Bücher und begeisterst ich im Theater. Na, habt Ihr Euch selber vielleicht erkannt bei der guten Ruhe? 
 Im nächsten Buch geht es um große Kinder und den kleinen Kindern. „Vielgeliebte Nervensägen“1975. Das Buch ist von einer fröhlichen Mutter. Sie schreibt hier von ihrer Hauptrolle die Familie. All die Freuden und Sorgen kennt sie des täglichen Familienlebens aus eigener Erfahrung und dies hat Heilwig von der Mehden aufgeschrieben.  Vom Baby bis zum Teenageralter eschreibt sie humorvoll und nicht ohne Ironie die Umwelt der Kinder, Eltern, Geschwister, Omas, Onkels, Tanten und Freunde. Alle werden unter die Lupe genommen.
Das ein Alltag auch Tücken haben kann, wird in dem Buch „Von den Tücken des Alltags und die Freunde im Leben“1987.  beschrieben. Dass alle Tage kein Sonntag sind, das ist eine oft besungene Tatsache, über der man manchmal vergisst, dass auch nicht alle Tage Alltag ist. Das liegt nicht nur am angenehmen siebten Tag der Woche, sondern auch daran, dass immer einmal wieder etwas passiert, das sich aus dem grauen Einerlei herausgebt. Reisen sind angesagt, eine Hochzeitseinladung, oder ein neues Baby kommt in die Familie.  Man muss mitten in der Nacht ein Hotel suchen. Und in der Regel bleibt das Auto ja nicht stehen.
Jeder träumt von einem eigenen Haus. „Vier Wände und ein Gartenzaun“1977, ist von der Autorin das eigene Haus. In einem Eigenheim fühlt sich der Mensch sich verhältnismäßig sicher und geborgen mit seinen Lieben, den Haustieren, seinen Möbeln und Bildern. aber leider ist dies Paradies nicht nur eine Stätte ungetrübter Freuden. Im Garten sprießt das Unkraut und schwirren die Wespen, im Haus streikt die Heizung und man droht dauernd im Kampf gegen allerlei Unordnung und Störung zu unterliegen. Der Hund muss zum Doktor und der geliebte Vogel weigert sich standhaft auch nur ein Wort zu erlernen. Nachbarn gibt’s von mancherlei Art und den Müll gilt es hinauszuschaffen.
Dabei meint Die Kolumnistin „Wir sind doch nicht von gestern“ 1984. Natürlich sind wir ganz moderne Menschen. Wir haben eine Tiefkühltruhe und fahren das soundsovielte Auto, wenn wir es bei unseren Touren on aller Herren Länder nicht vorziehen zu fliegen. Schade nur, das die Tiefkühltruhe bisweilen streikt und die Reklamation verpufft, das das Auto alarmierende Töne von sich gibt und die Beifahrer an den Nerven zerren, dass man in den feinen Hotels das Frühstück in kleinen Blechcontainern serviert bekommt und sich die Reisegesellschaft nicht aufsuchen kann. Es ist also nicht immer leicht, nicht von gestern zu sein.
„Mir ist doch so, als wäre mir was…“ 1976. Vom angenehmen Umgang mit sich selbst, das Beschreibt Heilwig von der Mehden hier in dem nächsten Buch. Sie erzählt hier davon, was einem so alles einfällt, wenn man sich selbst eingehender beobachtet. Was, beispielsweise, hat man gern, und was kann man noch nicht einmal riechen. Worüber ärgert man sich, und wieso bildet man sich ein, dass dies keiner merkt? Wie steht es mit der Erfüllung guter Vorsätze und kann man seine Ordnungsliebe zu den glücklichen Lieben rechnen? Man denkt über die eigene Schönheit nach, über Gesundheit und Alter und dabei fallen einem natürlich Sport- Kosmetik- und Diätprogramme ein, die häufig ebenfalls nur unter die guten Vorsätze ui rechnen sind. Manchmal aber möchte man nichts als in Ruhe gelassen zu werden.
 Wenn man nicht miteinander zu reden vermag, ist unter Umständen auch ein Tritt unter dem Tisch bedeutungsträchtig ("Der Tritt unterm Tisch". 1985) Man kann auch Briefe austauschen oder lange Monologe an jemand richten, der friedlich neben einem schnarcht, seinen zärtlichen Gefühlen durch das Kochen anspruchsvoller Mahlzeiten und das Braten einer Weihnachtsgans Ausdruck verleihen. Aber am allerhäufigsten beruhen unsre Beziehung doch auf wörtlicher Rede, die einen von Fall zu Fall freut, ärgert oder auch kalt lässt – von all den anderen Möglichkeiten ganz zu schweigen.
Man möchte sie manchmal zum Blocksberg wünschen, die lieben Mitmenschen - aber niemand lebt wie Robinson. („Keiner lebt wie Robinson. „1973) Verwandte, Freunde, Taxichauffeure, Verkäuferinnen und Reisebegegnungen spielen in unserem Leben eine unübersehbare Rolle. Der Leser wird mit der Autorin nicht nur seufzen: "So sind sie eben!", sondern auch die Einsicht teilen, dass man die meisten nur zu nehmen wissen muss. Und über die anderen sollte man wenigstens ein bisschen lachen.
„Backfischens Leiden und Freuden“1979. Als die weiblichen Teenager noch Backfischen hießen und in der Zeit lebten, die heute so gern die gute alte Zeit genannt wird, hatten sie es nicht immer leicht. Nicht nur äußerlich, um die erwünschte zerbrechliche Taille zu erzielen, verpassten die Mütter ein strammes Korsett, auch sonst wurden sie in ganz bestimmt Formen gepresst, die den bestehenden Konventionen genau entsprachen. Brav sollten sie sein, häuslich und fleißig, möglichst hübsch, aber beileibe nicht kokett, sehr behütet und ruhig ein klein wenig weltfremt, bloß nicht intellektuell, sondern lieber auf eine reizende Art naiv – oder wir nennen wir es ruhig beschränkt.
In „Stichweise heiter“ 1980 nimmt sie die Männer aufs Korn  - nachsichtig natürlich, das versteht sich - oder die kleinen Schwächen des eigenen Geschlechts ein wenig belächelt, ob sie, liebenswürdig, aber nicht ohne Ironie jene Mitmenschen porträtiert, die wir am liebsten auf den Blocksberg wünschen, oder von den Freuden und Sorgen mit fremden und eigenen Kindern erzählt - den kleinsten und denen, die flügge werden wollen - , immer finden ihre Gedanken zu jener heiteren Versöhnlichkeit hin, die nur dem wahren Humor eigen ist und der gelassenen Erkenntnis, dass auf unserer Welt eben nichts vollkommen ist.
 Es gibt so viele kluge Bücher, in denen zu lesen steht, wie man es mit der Erziehung so ganz richtig macht und alles klingt ungeheuer einleuchtend. Nur benehmen sich leider die Kinder nicht so, wie man es nach der Lektüre erwartet sollte. Und bei aller Liebe, zuweilen langt einem dann wirklich. In dem Buch „Manchmal langt’s aber! 1982 sagt die Autorin wie viel raffinierter sie sind, als man erwarten könnte und manchmal so begriffsstutzig, dass man schier verzweifelt. Sie entfalten unerhörte Energien und entwickeln eine geradezu sagenhafte Faulheit. Sie können die reizendsten Gesellschafter sein und wahre Nervensägen. Und dann gibt es da noch das ganze Umfeld von Verwandten und Bekannten, die kritisch betrachtet werden sollte.
Urlaubszeit – Reisezeit! Schön ist es auch anderswo… (1979)" sagte schon Wilhelm Busch, und wie recht er damit hatte, beweist der Strom von Menschen, der sich alljährlich in den Bayrischen Wald, ins Mittelmeer, ins schwarze Afrika oder noch ganz woandershin ergießt. Und immer wieder erweist es sich, dass eine Reise gar nicht früh genug und sorgfältig genug geplant werden kann, am besten bereits vor einer Rückreise. Denn erfahrungsgemäß gibt es eine Menge Probleme: was muss und darf mit in den Koffer? Wollen wir wieder dorthin, wo es im vorigen Jahrgeregnet hat? Kann man den Prospekten trauen? Und wer ist für die Reiseroute verantwortlich? …Und hier wird davon erzählt, wie es einem so auf Reisen ergehen kann.
Ich habe ja das Buch schon vorgestellt“ Nehmt die Männer, so wie sie sind“ Nun kommt das Gegenstück: „Ehret die Frauen, aber übernehmt euch nicht“ 1975. Hier wird allerlei von den Frauen berichtet, wie sie versuchen, sich in einer Männerwelt zu behaupten, wie sie regieren und sich regieren lassen - nicht ohne Augenzwinkern. Ihr ewiger Kampf um Schönheit und Eleganz, ihre Träume und die notwendige Auseinandersetzung mit den Tücken des Alltags, ihr Verhältnis zu anderen Frauen und zur Familie - dies alles wird hier beobachtet, und zwar ganz subjektiv.
Ihr liebt Ordnung? Oder seid Ihr ein wenig unordentlich? Heilwig von der Mehden hat in dem Buch „Alles in schöner Unordnung“ 1986. In den eigenen vier Wänden könnte man so ganz ungestört sein eigener Herr sein: Ordnung halten, wie man will, aufräumen, wo man will, schlafen, wann man will, einladen, wen man will, essen, was man will, und einrichten, wie man will. Da man aber zumeist nicht allein auf der Welt ist, kann man dies alles dann doch nicht. Weil die Mitbewohner völlig anderes wollen, ergibt sich ein ganzer Haufen Probleme. Noch nicht einmal das Weihnachtsessen kann man allein aussuchen (bloß kochen darf man es dann solo), und der richtige Platz für die Bilder muss ausdiskutiert werden. Draußen scheint die Sonne, oder sie denkt gar nicht daran, und ein Blick durchs Fenster belehrt uns dahingehend, dass die Mücken wieder schwirren, dass das Unkraut freudig sprießt oder dass sich noch immer keiner zu den Schneeschippen angefunden hat. Und der kleine Hund gräbt gerade ein beachtlich großes Loch in den Rasen. Also: alles in schönster Unordnung! Hat man aber die Gelegenheit, bei den Nachbarn hineinzuschauen, bekommt man in den allermeisten Fällen die tröstliche Gewissheit, dass man mit denen lieber auch nicht tauschen möchte. Vor allem, wenn man heute endlich aufgeräumt und eine Menge für den Sperrmüll aussortiert hat.
Und dabei wäre doch tut, wenn man folgenden Rat beherzigen würde: 1988. Denn in diesem löblichen Sprichwort mit dem beschämenden Hinweis man finde dort Schmutz genug, ist wohlbekannt. Gemeint ist natürlich nicht, dass man sich davon abhalten lassen soll, aus reiner Nächstenliebe auch noch den Gehsteig der Nachbarn zu säubern, sondern man möge gar nicht erst hinsehen, ob dies vielleicht doch vonnöten wäre. Und seinen kritischen Blick streng auf die eigene Wohneinheit beschränken. Sehr edel und unglaublich langweilig!  Und so beschäftigen wir uns natürlich mit den eigen Macken – daneben aber schauen wir ganz gern auch einmal umher und interessieren uns, wenn auch nicht gerad hauptsächlich für den Schmutz, so doch aber für die Kuriositäten der anderen.
In „lauter ausgesuchte Stücke“ 1989 hat Heilwig von der Mehden selbst aus ihren 16 Taschenbüchern ausgesucht und für Sie zusammengestellt. Vielleicht treffen Sie auf alte Bekannte: die kleinen oder großen Nervensägen, die Reisegenossen der Pauschalreise, den zerstreuten Nachbarn, den unerwarteten Schlafbesuch. Oder Sie stoßen auf Verpackungen, die sich partout nicht öffnen lassen, auf lästige Goldhamster oder auf die Tücken der modernen Wohnungseinrichtung kurzum auf vieles von dem, was das tägliche Leben so hübsch und so beschwerlich macht. Sie finden Ärgerliches und Komisches, und sehr oft taucht auch bei Ihnen der Gedanke auf: „Genauso wie bei uns!“, der so mancher Leserin und so manchem Leser bei der Lektüre dieser Autorin vertraut ist. Wie gesagt: lauter ausgesuchte Stücke. Ein heiteres Sonderangebot.
Stört sie Sie auch? Das summen einer Fliege an der Fensterscheibe Oder die an der Wand? In „Die Fliege an der Wand“ 1980 erzählt die Autorin, worüber man sich ärgernt.Denn diese Fliege an der Wand hat nicht die Geringste Ahnung davon, dass die uns durch ihr bloßes Dort sitzen ärgert ,ebenso wenig wie die Sonne, die für unseren Geschmack einmal Zuviel und einmal Zuwenig scheint, oder die Spinne, die ihre Eigenheimkonstruktion just um die Lampe webt. Aber auch die Dinge, di der Mensch selbst erfunden naht, können zu Ärgernissen werden. Da gibt es die Schlüssel, die fehlen, die Taschentücher, die verlorengehen, Kugelschreiber und Rasenmäher, die streiken und Uhren, die immer im falschen Augenblick falsch gehen. Damit nicht genug: Medizin schmeckt abscheulich, Schuhe, sollen geputzt werden, Brillen gesucht. Die Stola rutscht, der Salzstreuer ist verstopft, der Saum reißt auf und das Kantinenessen ist mal wieder ungenießbar. Und dann noch das Wetter….

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