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Hannah Kent - Das Seelenhaus

20.10.19

Die Doofnasen Famil ~ Fortschritt


Fortschritt

Als fauler Mensch versucht man stets, sich das Leben einfacher und komfortabler zu gestalten. Das trifft auch auf die Hühnerhaltung zu. Eigentlich bin ich kein Freund von zu viel Technisierung in allen Bereichen. Ich brauche zum Beispiel kein wildes Abstandsgepiepse im Auto, (eine Rückfahrkamera tut´s auch, grins!) keine per App steuerbare Beleuchtung zu Hause und ich kurbele meine Markise auch noch von Hand raus und rein. Hier wird auch keine Alexa nach Rat gefragt und es gibt auch keinen Kühlschrank, der mir den Einkaufszettel aufs Handy schickt. Aber ich bin unfassbar faul in manchen Dingen.

Zum Beispiel schlafe ich gerne sonntags aus und es nervte mich ungemein, immer um kurz nach sechs aus dem Bett kriechen zu müssen, um die Doofnasen aus ihrem Stall zu lassen. Also bestellte ich kurzerhand für meinen zukünftigen Luxus-Ausschlaf-Sonntag eine automatische Hühnertür mit Lichtsensor und Zeitschaltuhr. Die Auswahl im Internet ist recht groß, daher war eine passende Tür schnell gefunden. Warum man eine scharfe, schmale Aluminium-Hühner-Haustür ausgerechnet bei einer Firma namens „Axt“ herstellt, ist mir zunächst schleierhaft. Der Name ist allerdings scheinbar Programm. Die Erkenntnis jedenfalls musste mein Fuß machen, als die Tür runterfiel….Stopp – Stopp – von Anfang an.

Sonntags scheint die Sonne und somit ist es ein herrlicher Tag, um einen umfangreichen Frühjahrsputz im Hühnerstall zu machen. Der Ablauf ist bei sowas jedes Mal gleich. Alles rausbauen, Kotbretter, Katzenkisten, Einstreu, mit Desinfektionslösung alles sauber schrubben, trockenen lassen, alles wieder ein bauen, Streu und frisches, duftendes Heu rein. Diesmal auch Innenwand schrubben (jetzt weiß ich, woher der umgangssprachliche Ausruf „Scheiß die Wand an!“ herkommt!) und für den besseren Durchblick Fenster putzen. Das alles würde normalerweise eine Stunde dauern, wenn da nicht pausenlos die Doofnasen zwischen drin rumwühlen würden. Dann dauert das halt schon mal einen halben Tag.

Emma: „Was machst Du mit unseren Nestern?“
Elfriede: „Wo sollen wir denn schlafen, wenn Du unser Schlafbrett wegtust?“
Mathilda: „Ich muss da mal rein und was gucken…“
Ingrid: „Kann man das Wasser trinken?“
Ich: „Nein und Nein und Nein, nein, da geht ihr nicht dran, nein, Ihr müsst jetzt nicht da dringend rein, nein und nochmals nein, es gibt hier nix zu sehen…“
Berta: „Menno!“

Ich rümpfe die Nase darüber, dass die Spinnennetze schon vom Dach herunter baumeln. Ich vermute, in dem Stall leben mehr Spinnen als Doofnasen. Beim wegwischen gibt´s den nächsten Ärger.
Spinne1: „Oahr toll! Die ganze Jagdvorrichtung umsonst gebaut!“
Ich: „Das nennst Du Jagdvorrichtung? Das ist eingestaubtes Gefussel ohne System, was da von der Decke hängt. Damit fängst Du doch nix mehr. Das kann selbst ein Nacktmull ohne Augen erkennen!“
Spinne2: „Weißt Du eigentlich, dass diese stinke-Lösung echt ekelig ist. Deswegen kriegen wir hier gerade kaum noch Luft!“
Ich: Ihr könnt doch durch die Ritzen genauso gut nach draußen an die frische Luft gehen, wenn ich hier drin sauber mache. Hat Euch keiner gezwungen hier zu bleiben!“
Spinne1: „Wir sind draußen voll in Gefahr!“
Ich: „Was?? Hier drin bei den Doofnasen ist es natürlich tausendmal sicherer?? Ihr seid irgendwie nicht gerade die Schlausten, oder? Warum haltet Ihr eigentlich keinen Winterschlaf?“
Spinne2: „Die Doofnasen können doch eh nicht fliegen und nachts bewegen die sich nicht. Also wo ist das Problem?“
Ich: „IHR legt keine Eier für uns, aber Euern Dreck darf ich auch noch wegmachen!“

Nach der Großreinigung wird auch gleich der Carport ausgefegt und der gesamte Hühnergarten aufgeharkt. Da mir irgendwann das Doofnasengewusel um meine Füße zu dämlich wird, greife ich in die Trickkiste. Eine ordentliche Portion Würmchen an eine entlegene Stelle auftürmen. Da ist die Gier so groß, dass die Doofnasen zu einer einzigen Federmasse verschmelzen. Allerdings hält das natürlich nicht lange an, weil die Würmchen regelrecht inhaliert werden. Also noch alte, ewig in der Ecke gelagerte Laubsäcke auf ihren Tiefbauacker gekarrt. Die waren zu schwer, als dass ich sie in eine Papiertüte an die Straße stellen konnte. Das ausgekippte, halb verrottete Laub erzeugt zunächst Misstrauen. Nachdem aber eine der Doofnasen einen Wurm drin gefunden hat, stürzen sich alle in das Laub- und damit Scharrvergnügen und sind auf der Stelle nicht mehr an meinen Tätigkeiten interessiert.

Ich lese unterdessen die Montageanweisung der Hühnertür durch. Da man sich an einem sonnigen Sonntag eher im cerebralen Wochenendmodus befindet, raffe ich beim ersten Durchlesen gar nix. Nach viermal Durchlesen begreife ich, dass man einfach nur zwei Schienen anschrauben muss, die Tür reinschieben und darüber den Motor anmontieren. Punkt. Eigentlich eine Sache von 5 Minuten. Bei normalen Leuten. Natürlich muss man auch noch die Tür mit dem Faden des Motors verbinden. Das Loch für den Faden in der Tür ist allerdings richtig klein und eng an der Wand dran. Ich fummele also eine geschlagene halbe Stunde mit allen möglichen Fäden an dem Loch herum. Ständig rutscht die Tür wieder runter. Also stelle ich einen Holzklotz unter die Tür. Wegen jedem Faden muss ich wieder ins Haus rennen. Irgendwann fällt mir ein, dass ich noch irgendwo Draht herumfliegen habe. Den finde ich überraschenderweise sofort und friemele ihn in das Loch. Irgendwann klappt es und unter höchster Konzentration ist der Draht in dem Loch fixiert und muss nur noch an den Faden des Motors…rrrrrrritscht – peng!! Der Holzklotz fällt um und die Tür rauscht runter - direkt auf meinen Fuß! Selbstverständlich habe ich leichtfüßige Hühnerclogs an. (Wollte ich da doch jetzt direkt „federfüßig“ schreiben! Immer diese Hühner- Verseuchung!) Jetzt kann ich erahnen, wie sich die Verurteilten im Mittelalter gefühlt haben mussten, wenn sie ihr jähes Ende durch die Guillotine gefunden haben. Überraschenderweise ist mein Fuß noch am Bein.

Ich sehe Sterne und kann mir einen lauten Aufschrei nur schwer unterdrücken. Als ich die Augen wieder öffne, erschrecke ich einmal mehr wieder fast zu Tode. Da stehen wieder alle Doofnasen direkt um mich herum und starren mich an.

Elfriede: „Warum guckst Du denn so komisch und hopst hier herum?“
Ich: „Verdammte Axt…!“

Fazit: Was bringt man nicht für Opfer für sein liebes Federviech! Naja, eigentlich ja eher für sich selber. Wehe, ich kann nächsten Sonntag nicht richtig ausschlafen! Dann muss der Café echt alles rausreißen.

PS1: Erstaunlicherweise hat die Tür beim ersten Versuch perfekt funktioniert.

PS2: Der „guillotinierte Fuß“ fühlt sich am wohlsten auf dem dicken Pferd. Da muss er nur tatenlos runterbaumeln. Eventuell setzen wir die Diät vom dicken Pferd mal eine Runde aus, grins?

Eine schmerzfreie Woche wünsche ich Euch️!




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