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26.01.20

Die Doofnasen Family ~ Woanders ist immer besser


 Die Doofnasen haben hier bei uns ihren eigenen, eingezäunten Gartenbereich. Darin steht ein ehemaliges Gartenhaus, von mir repariert und innen hühnergerecht zurecht gepfuscht, davor eine kleine, teilüberdachte, planlos gezimmerte Voliere für Sicherheitsfälle, Stallpflicht, etc. Oder als Gefängnisstrafe. Für besonders freche Doofnasen. Oder noch frechere Kinder?

Wir hocken am Frühstückstisch, draußen herrscht regnerisches Wetter, wie eigentlich seit Tagen. Ich gucke aus dem Fenster und erkenne ein mir äußerst bekanntes gesperbertes Huhn im Garten. Im Nachbargarten. Prompt kommt von „Modell Ehegatte“: „Guck mal Chrissi, eins von DEINEN Hühnern ist mal wieder stiften gegangen.“ Ich weiß nicht genau was mich am meisten daran ärgert. Dass die Betonung vorwurfsvoll auf DEIN Huhn liegt? Dass besagte Doofnase frecher weise wieder im (deutlich gepflegteren) Nachbargarten herumlungert? Oder dass es regnet? Genervt bewaffne ich mich mit Würmchen und Gartentorschlüssel und stapfe nach draußen. „Misses“ Charly tut völlig überrascht mich zu sehen. „Hilfe Chrissi, ich bin hier urplötzlich hinter den Zaun geraten in fremde Welten und weiß überhaupt nicht, wie ich rüber kommen soll?“ Ich öffne die Gartentür und sie flitzt augenblicklich hindurch und bettelt mich um Würmchen an. Mäßig erfreut werfe ich ein paar Würmchen hin und ermahne sie, in Zukunft auf unserer Seite zu bleiben. Und überhaupt, wie ist sie eigentlich da rüber gekommen?

Später hocken wir gemütlich auf dem Sofa. Tochter2 kommt runter: „Mama, DEINE Hühner sind drüben bei „Nachbar links“!“ Ich :“Hä?? Na toll, wie sind die da denn nun wieder hingekommen?“ Ich gehe ans große Fenster und sehe wieder zwei Sperberdamen, die vorwitzig im Gebüsch der werten Nachbarschaft herum scharren. Wutentbrannt stapfe ich wieder raus in den Regen und versuche die beiden Flitzpiepen heranzulocken. Das Schwierige an dieser Seite des Grundstückes ist, dass dort eine über einen Meter hohe L-Traverse als Grenze dient, um Höhenunterschiede der Grundstücke auszugleichen. Da können die Damen zwar herunter hopsen, aber nicht wieder rauf zurück. Also klettere ich durch pieksiges Gestrüpp runter ins Nachbargrundstück, schauspielere ihnen einen feudalen, attraktiven Hahn vor und kraule ihnen den Rücken, um sie auf den Arm zu nehmen, erklimme mit je einer Doofnase links und rechts halsbrecherisch die L-Traverse im Matsch der Beete, rutsche beinahe aus, schaffe es aber irgendwie und trage sie zurück in ihren Bereich. Unweigerlich kommt mir das bekannte Bild von Loriot vor mein geistiges Auge mit seinen beiden Möpsen auf dem Arm. Ich entdecke, dass der Wind wieder das Absperrnetz verweht hat und sie dadurch ein Schlupfloch gefunden haben. Schnell wieder zugewurschtelt. Verdreckt und übellaunig ziehe ich mich drinnen um und fahre einkaufen.

Nach dem Einkauf fahre ich schwungvoll unsere Auffahrt hoch…..und bremse in letzter Sekunde ab. Ich glaube, ich träume! Da turnen mal wieder zwei Sperberinnen auf der Auffahrt und auf dem „Nachbargrundstück vorne“ herum. Sie erschrecken sich durch das böse, große, schwarze Auto dermaßen, dass sie fluchtartig Richtung „Nachbargrundstück rechts“ flattern. Und mit Vollkaracho frontal gegen den Zaun. Ich halte kurz inne und frage mich, wie genau die Hirnfunktion bei Hühnern zu deuten ist und ob das Areal der Vernunft, sofern vorhanden, in manchen Momenten abgeschaltet wird? Mir fällt allerdings ein, dass Pferde auf der Flucht auch nur noch instinktgesteuert und hirnabgeschaltet sind und im Zweifelsfall direkt ungebremst gegen eine Mauer rennen würden. Nichts mit „oh, da vorne kommt eine Mauer, ich bremse mal ab, da könnte ich mir sonst das Genick brechen!“ Nix, einfach gegen rennen, man kann ja als Pferd auch bestimmt durch rennen?“ Oder im Falle der Doofnasen; „Hee stooop Charly, da ist ein Zaun, die Maschen sind dann doch zu klein, als dass wir da durch fliegen können….“.
Hämisch grinsend juckt es mich einen Bruchteil einer Sekunde in den Fingern und ich lasse den Motor aufheulen: „Hehehe, sooo Ihr Fieslinge, jetzt seid ihr dran!“ Panisch rennen sie am Zaun entlang hoch Richtung Carport unter meine alte Diesel-Lady. Ich parke das böse, schwarze Auto, steige aus und öffne ihnen den Zaun im Carport zu ihrem Bereich.
Charly: „Chrissi, fast hätte uns das große Monster gefressen, das war so schrecklich!“
Klecki: „ Hast Du uns was Essbares mitgebracht??“
Ärgerlich schnauze ich sie an: „ Ich glaube ich höre nicht richtig? Das ist heute schon das vierte Mal, dass Ihr zwei Tanten hier draußen rum rennt! Wollt Ihr unbedingt überfahren werden?“
„Gok, bok, bok, piep, piep, zirp, zirp…. “
Sich einschleimen? Können sie!

Abends hänge ich wieder mal völlig ermattet vom Nichtstun auf der Couch herum, während Tochter2 anbietet, den Stall zu schließen. Nach 2 Minuten kommt sie wieder rein und meint: „ Also ich will ja nix sagen, aber da fehlen zwei Hühner!“ Mich trifft augenblicklich ein kleiner, unsichtbarer Stromschlag, ich springe auf und sehe selber nach. Und in der Tat, das Sperber Duo fehlt. Eigentlich, meint mein Teufel auf der linken Schulter, könnte man sie zur Strafe ja draußen lassen. Da wollen sie ja offensichtlich heute unbedingt bleiben. Andererseits, zittert mein besorgter Engel auf der rechten, drohen ihnen da so viele Gefahren, das ist absolut ausgeschlossen, wir müssen sie unbedingt finden. Selbstverständlich gewinnt er.

Es regnet (was sonst), wir bewaffnen uns mit Taschenlampen und suchen erst einmal den Doofnasengarten ab. Gibt auch dort mehrere Stellen, wo man als Huhn in einer Falle stecken könnte, wenn man komplett verblödet ist. Durch Zufall entdecke ich Klecki zitternd und völlig durchnässt hinter dem Zaun zu „Nachbargrundstück links“. Immerhin noch oberhalb der L-Traverse. Ich baue den Zaun kurzerhand ab und nehme die kleine Schißbüx auf den Arm. Erleichtert guckt sie mich an. Ich trage sie in den Stall, wo die anderen völlig fragend unser Treiben von ihrem Kackbett…..äh….Kackbrett beobachten. Klecki hockt auf der Stange und fängt an sich zu putzen. Vermutlich „lutscht“ sie sich eher ab, als dass man das Putzen nennen kann, so nass ist die.

Wir suchen weiter, stapfen auf Nachbars Grundstück herum und leuchten mit Taschenlampen unter jeden Busch, in den Kellerabgang, in den Teich. Ich warte buchstäblich darauf, dass jede Minute ein Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn vorfährt und bewaffnete SEK-Kräfte raus springen um uns zu stellen:“ Heee, Sie da, Hände hoch! Was treiben Sie da!! Waffe fallen lassen, aber dalli!“ Ich: „Tochter2, klingel doch mal bitte bei Nachbar E&H und sag denen Bescheid, dass nur wir das sind.“ Kurz darauf rennen die Nachbarn ebenfalls im Gelände herum und suchen die vermisste Sperber-Doofnase. Mit einer extra-hell-Taschenlampe leuchtet Nachbar E beim nächsten Nachbarn ins Grundstück. Wilde Vögel vermuten fast, die Nacht sei vorbei, so hell ist das. Egal wo wir hin leuchten, nix zu finden. Dummerweise sind Sperber auch noch so perfekt getarnt und verschmelzen geradezu bei Dunkelheit mit ihrer Umgebung. Trotz Taschenlampen.

Sohn2 bekommt langsam aber sicher ein langes Gesicht. Charly ist nämlich sein Huhn. Ich fange an zu erklären, dass so eine Henne notfalls auch mal draußen schlafen kann und morgen ist sie bestimmt wieder da. Ich scheine wenig überzeugend zu klingen, denn inzwischen zittert bereits seine Unterlippe und seine Laune befindet sich am Null-Level. Ich überlege schon, wie ich ihm ein neues Huhn schmackhaft machen kann. Als Neu-Besitzer, nicht als Abendessen. Wir verabschieden uns von den Nachbarn, die auch geknickt über den Verlust wirken und wollen durch den Carport gerade Richtung Eingangstür gehen, als ich im Augenwinkel eine Bewegung neben meiner alten Diesel-Lady wahrnehme. Da hockt das zweite total durchnässte Sperberviech! Überglücklich kann ich noch gerade den Drang unterdrücken das nasse Vogeltier abzuknutschen und zu knuddeln. Ebenfalls in den Stall gesetzt predige ich beiden: „Morgen bleibt ihr zwei Doofen in der Voliere zur Strafe! Das habt Ihr nun davon!“ Sohn2 ist ebenfalls wieder bester Laune und ich verspüre eine ganz kurze Enttäuschung über die verpasste Chance ein (zwei, drei, fünf, acht….) neues Huhn kaufen zu „müssen“. Zwinker!

Fazit: Wenn man zu faul ist, die Umzäunung vernünftig zu machen, muss man halt seine Abendzeit im Gebüsch der Nachbarn verbringen. Oder auf einer Geflügelausstellung mit Verkaufsmarkt….?

PS1: Mega konsequent wie ich bin, waren die Sperber-Blödis am nächsten Tag genau 2 Minuten im Volieren Gefängnis. Weil sie da selber dringend nach einem Wurm suchen mussten.

PS2: Den nächsten Tag bin ich mit enorm viel Café Patrouille an diversen Fenstern gelaufen. Big sister is watching you, you Sperbervolk! Sie blieben allerdings lieb und artig in ihrem Garten. Geht doch!

Einen schönen, ausbruchsfreien Tag wünsche ich Euch🐓!




2 Kommentare:

  1. Liebe Anja,

    hahahaha.... sehr amüsant zu lesen ;) Auch wenn es für dich weniger tolle ar da im nassen rum zu suchen.

    Ich hoffe sie bleiben heute Artig, also eigentlich nicht nur heute *gg* Wobei, so eine Story les ich gerne noch mal.

    Liebe grüsse
    Alexandra

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    1. Guten Morgen, Alexandra,
      oh, es sind nicht meine Hühner. Ich veröffentliche nur die Erlebnisse einer Bekannten, die auch Hühner hat. ABER, ja, so könnte es ab und zu bei meinen Hühnern auch abgehen :-D. Auf Facebook ist eine Seite, die heißt Doofnasen Family.

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