§ 2 Nr. 5 TMG

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Oliver Susami S3

04.10.20

Doofnasen Family ~ Frechheit

Anmerkung: Alle Doofnasen Geschichten entsprichen aus der Feder von Chrissi. Vielen Dank an Chrissi, dass ich die supertollen Geschichten hier veröffentlichen darf!


„Das ist doch echt eine Frechheit!!“ Mathilda und Ingrid bersten auseinander. Sie werden verfolgt von einem halbstarken weißen Sussex-Vorwerkhahn. Er hat nur das eine im Sinn: so schnell wie möglich eine der beiden begatten, oder im Idealfall gleich alle beide.
Es ist Frühling. Alles ist anders als in den vergangenen Jahren. Der Corona Lockdown wird beendet, die Läden dürfen unter strengen Hygieneauflagen wieder öffnen und die Maskenpflicht wird eingeführt. Dadurch entsteht u.a. ein nie zuvor dagewesener Ansturm auf Näh- und Stoffgeschäfte, da die Leute sich nun selber welche nähen müssen, sofern sie keine irgendwo kaufen können. Da ich unter anderem in solch einem Laden arbeite, ist es ein raketenartiger Start von null auf hundert in die Arbeit nach Wochen der Untätigkeit. Schätzungsweise 20 Leute stehen in einer Schlange vor unserem Laden in den ersten Tagen. Aufgrund der behördlichen Anordnung, nicht mehr als 2 Leute gleichzeitig in den Laden zu lassen, müssen sie draußen warten. Drinnen stehe ich und schneide Baumwollstoffe im Akkord. Das geht so acht Stunden am Stück, ohne Pause, ohne Ende in Sicht. Danach hetze ich auf den Hof, um den Therapiekunden ihre Sorgen und Ängste wegen Corona zu nehmen und wenigstens ein wenig meine lieben Pferde zu sehen. Die ersten zwei Wochen arbeite ich durch inklusive Wochenende mit Nähaufträgen für diverse Kunden. Nach zwei Wochen flaut der Ansturm ab und wir können rechtzeitig schließen und dann den online Shop bedienen. Trotzdem kommt keine Sekunde Langeweile auf. Nach und nach erscheinen Kunden, die auf den Geschmack des „Hobbys Nähen“ gekommen sind und mehr als nur Baumwollstoffe für Masken haben wollen.
Kundin 1: „Guten Tag! Ich möchte jetzt mit dem Nähen von Kleidung beginnen. Was für einen Stoff kannst Du mir empfehlen?“ Diese Frage bekomme ich beinahe täglich mehrere Male.
Kundin 2: „Huhuuu! Ich war gestern schon hier und habe leider zu wenig Gummilitze für die Masken mitgenommen. Habt Ihr noch welches!“ Ne, war bald in ganz Deutschland ausverkauft.
Kundin 3: „Aujaaa, das will ich auch!“
Kundin 4: „Moiiin, habt Ihr hier Stoff?“ Erstauntes Schweigen der Anwesenden. Ich atme tief durch. Ich stehe bereits seit 5 Stunden hinterm Zuschneidetisch.
Ich: „Ne!!! Also hier gibts nur Wurst und Käse. Und letzteren nur ohne Löcher!!“ Morzgelächter.
Kunde 5 verärgert vor der Tür: „Wie lange dauert das denn noch? Ich warte hier schon seit einer halben Stunde!! Und Ihr macht da drinnen Caféklatsch, oder wie? Das ist ja wohl eine Frechheit!!“
Ich hätte nun ja die Möglichkeit, zurück zu zicken, dass er sich mal nicht so aufregen solle, eine halbe Stunde Wartezeit sei ja wohl noch wenig im Vergleich zu den ersten drei Tagen (Wartezeit teils bis zu 2 Stunden!!). Oder ich schmeiße die beiden Kunden schnell raus und lasse ihn rein. Oder ich breche in Tränen aus. Oder ich ignoriere ihn. Oder ich bekomme einen Nervenzusammenbruch. Oder ich klatsche ihm direkt eine, und erreiche damit eine eher unrühmliche Erwähnung in der Bild-Dir-keine-Meinung-Zeitung und vermutlich einen Anzeige wegen Körperverletzung. Zusätzlich könnte ich ihn noch in einen Stoffballen einwickeln. Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir: „Stofffachverkäuferin rastet aus! Durch Corona Krise vermöbelt sie männliche Kundschaft…!“ Daneben ein schwarz-weiß Foto meiner grimmig kriminellen Visage in gestreifter (vermutlich nicht selbstgenähter) Knastrobe mit Häftlingsnummer drunter…
Natürlich habe ich das nicht getan. Ganz im Gegenteil. Ich bin fast ausgeflippt vor Freude, denn ich habe ihn beglückwünscht zu dem sensationellen Einfall! Einen CAFÉ hätte ich nämlich vor lauter Arbeit beinahe vergessen. Geht gar nicht! Ich lasse alles und jeden stehen und liegen, gehe in die Küche und mache mir einen Café. „Das ist echt eine Frechheit!“ – hallt es mir noch weiterhin durch den Kopf. Die Frage ist, was genau hier jetzt die Frechheit ist? Dass der Kunde so lange warten musste? Dass die anderen Kunden so lange aussuchen müssen und daher diese langen Wartezeiten verursachen? Dass manche keine Geduld haben in Ausnahmesituationen. Dass es ein Unding ist, dass ich da alleine stehe, weil meine Kolleginnen alle kleine Kinder haben und zu Hause festsitzen, weil die Kitas und Schulen nicht geöffnet haben? Dass der Staat eine Pflicht dem Bürger aufbrummt, den Bürger aber im Regen stehen lässt und jener sich selber um die Masken kümmern soll? Dass ich keine Zeitmaschine erfunden habe, um die Wartezeit zu verkürzen? Dass mir keiner einen Café vorbeigebracht hat? Dass es Corona überhaupt gibt? Ich entscheide mich für letzteres und strahle den Kunden an: „Sie haben Recht: Corona ist eine absolute Frechheit!“ Der Kunde hatte sogar dann richtig gute Laune, als er den Laden verließ, nachdem ich ihm die Vorgehensweise zu Corona Zeiten genau erklärt hatte und seine Stoffbedürfnisse voll und ganz befriedigt wurden. Klingt ziemlich schräg. Könnte man auch denken, ich deale jetzt noch zusätzlich mit „anderem Kram“, hust. Nun denn, einfach immer freundlich sein und einen Café trinken.
„Hiiilfeee!! Halte uns den Blödmann vom Hals, Chrissi!!“ Ich stehe etwas verwirrt im Hühnerbereich und betrachte das Gerenne. Die beiden Küken von Fia sind stattlich gewachsen und natürlich ist eins ein Hahn. Der ist sich seiner selbst sehr bewusst und lässt sich von seinen Hormonen leiten.
Ich grinse: „Voll im Flow der Typ, wa? Ihr seid doch wohl in der Lage, Euch gegen den Spacken zu wehren, oder wie?“
Mathilda: „Mann, der nervt total Chrissi!“
Ich: „Da stimme ich Dir voll und ganz zu!“
Ingrid: „Der schreit hier außerdem pausenlos rum“
Obi: „Voll der Spinner!“
Der Pubertätshahn: „Alter! Waaaas?? Ich hab doch gar nix gemacht, ey!“
Ich: „Naja, Du bist ein ganz schöner Krawallmacher, Freundchen! Außerdem kann ich Dich nicht an die „Nachbarschaft ein Straße weiter“ abgeben, weil die keinen Hahn haben dürfen!“
Henne Uwe: „Oh Gott, bloß nicht!“
Die Nachbarin eine Straße weiter hat ihren gesamten Bestand an den Fuchs verloren. Außer Henne Uwe. Die saß nämlich zu dem Zeitpunkt des Massakers auf einem imaginären Gelege im Stall und wurde vom Fuchs buchstäblich übersehen. Sie kam dann hier nach Doofnasenhausen völlig traumatisiert und schweigsam als einzige Überlebende der Katastrophe in Quarantäne. Es dauerte genau eine Stunde und sie gab ihr erstes zaghaftes „bok bok“ von sich. Sie erholte sich schnell, ihr Kamm nahm wieder Farbe an, zehn Tage später durfte sie zu den Doofis nach draußen und war sofort integriert. Als Sperberhenne hat sie außerdem genug Selbstbewusstsein, sich zu behaupten. Allerdings hat sie es hier auch das erste Mal mit einem echten Hahn zu tun gehabt. Und Aladin erklärt jeder Neuankömmlingsdame genau, wer hier der Elvis auf der Säule, der Smaug im Zwergen Gold, der Hecht im Goldfischteich, der Jack Sparrow auf der Black Pearl, der Michael Jackson der…ist guuut jetzt…also die Oberdoofnase, der Herr im Haus ist.
Ich: „Henne Uwe, keine Angst, wenn Du wieder nach Hause gehst, kommt die Sperbervorwerkschwester mit Dir mit…“
Henne Uwe: „Na, fraglich, ob das besser ist…“
Ich: „Warum?“
Henne Uwe: „Guck Dir die doch mal an. Die hat doch auch nicht mehr alle Federn am Bürzel!“
Ich: „Mensch, die ist doch auch noch jung. Freu Dich doch, Du hast zu Hause eh das Sagen.“
Aladin kommt um die Ecke und kollidiert beinahe mit dem Vorwerk-Sperber-Spacken.
Aladin: „Ey pass auf Freundchen!“
Der Vorwerk-Sperber-Spacken weicht gekonnt aus, rennt weiter und nötigt aufs Übelste Lotti, meine kleine, zahme Ferderfußzwergin. Sie kreischt sich die Seele aus dem Leib und vermutlich um ihr Leben, denn der Vorwerksperberspacken ist mindestens doppelt so groß. Ich sehe augenblicklich rot: „Spinnst Du, oder was???“, schreie ich. Ich jage den komplett hormongefluteten Jüngling kreuz und quer durch den Garten. Abends kralle ich ihn mir von der Stange aus dem Stall und er kommt in den Quarantäne Stall, in dem zuvor Henne Uwe hauste.
Vorwerk-Sperber-Spacken, kurz VSS genannt: „Kreiiiiiiiiiiiiiiisch! Lass mich looooooos!!“
Ich bin so wütend, dass ich ihn anschnauze: „Halt´s Mxxxx! Du gehst mir sowas von auf den Saxx!! Verdammter Knallkopp!“ (Kraftausdrücke zensiert!)
VSS: „KREIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIISCH; LOOOOOOOSLASSEN! ICH HASSE DICH!!!!!“
Ich schreie: „Hööör auf!! Du landest bei Uwe auf dem Klotz! Es reicht!“ Gemeint ist jetzt allerdings nicht Henne Uwe, sondern mein Hühnerfreund Uwe, der manchmal eher nicht so freundlich zu Hühnern ist, wenn er vor seinem Holzklotz eine Axt in der Hand hat.
VSS: „KRÄÄÄÄÄÄÄÄK, Du Schxxxxxkuh! FRECHHEIT!!“
In dem Moment beißt er mir in die Hand! Stattlich! Ich blute. Ordentlich. Ich sperre ihn rüde in seinen Privatstall und gehe rein, die Wunde desinfizieren. Modell Ehegatte ist minder begeistert.
„Boah, weg mit dem Spinner! Nachher kriegst Du da noch ne Infektion. Toll und das schön zu Coronazeiten!“
Ich grinse und gucke Sohn1 an, dessen rote Narben von seinem schweren Fahrradunfall am Freitag vor dem Lockdown an seiner Stirn noch deutlich zu sehen sind: „Na, in solchen Dingen sind wir ja jetzt Profis!“ Ich nehme mein Handy und appe Uwe an, wann ich mit VSS zum Holzklotzbesuch vorbei kommen darf.
Uwe appt zurück: „Moin! Ja morgen um 10h, in Boltenhagen an der Ostsee! Komm vorbei, is schön hier!“
Ich lache und appe zurück, dass das auch noch bis nach seinem Urlaub Zeit hat. Am nächsten Morgen KRÄHT plötzlich die vermeintliche Schwester des Vorwerk-Sperber-Spacken-Hahns. Ich schicke eine App an Uwe: „Ich komme dann mit ZWEI doofen Hähnen.“
Da unser Eisschrank im Keller leider nur noch Platz für einen Hahn hat, bekommt der Freund von Tochter1 kurzerhand sein „Fritzchen“, aus dem er sich eine Suppe machen will. Er kommt mit zum Schlachten, ich zeige ihm das Rupfen und Ausnehmen. Beim Ausnehmen ist allerdings Ende mit seiner Euphorie. Bislang liegt „Fritzchen“ immer noch im Eisschrank. Fragt sich, wann der Appetit wieder kommt? Mit der Nachbarin eine Straße weiter bespreche ich, dass ich ja nochmal Bruteier unter eine meiner aktuellen Glucken (Schneewittchen und das Biest) legen kann. Damit bekommt Uwe dann eine neue Herde. So liegen wieder einmal 6 Eier unter einer Glucke. Gelegentlich ist die Mutterfrage nicht ganz eindeutig festgelegt, da die Eier manchmal unter Schneewittchen, manchmal unterm Biest liegen. Eines Tages komme ich von der Arbeit, da hockt Schneewittchen mit dem doppelten Lottchen auf der Voliere und chillt. Ich mach mir einen Café und gehe zu den Doofnasen.
Ich: „Hee Schneewittchen, wieso sitzt Du nicht auf den Eiern??“
Schneewittchen: „Kein Bock mehr. Ist zu heiß!“
Ich: „Ernsthaft?? Was ist das denn für eine Einstellung?“
Schneewittchen: „Ist doch egal, das Biest macht das doch jetzt?“
Zeitgleich schlendert das das Biest völlig entspannt an mir vorbei zum Wassernapf.
Ich: „Hä?? Geht´s noch? Was ist denn nun mit den Eiern?
Das Biest: „Bleib ma locker, Emma sitzt da doch drauf!“
Ich gehe schnurstracks zum Stall.
Emma: „Knurr, hau ab!“
Ich ignoriere das mir bekannte Geknurre und checke das Gelege. Vier Eier. Bei der Gelegenheit schiere ich gleich mal und sehe in drei Eiern deutlich Leben.
Ich: „Wo sind denn die beiden anderen Eier?“
Emma: „Weiß ich nicht, und jetzt Finger weg!“
Ich stehe vor dem Hühnerstall und motze cafétrinkend vor mich hin, wie man so mit dem eigenen Nachwuchs umgehen kann. Eine Woche später schlüpft exakt ein Vorwerk-Küken unter Emma. Die anderen Eier sind mal wieder wie vom Erdboden verschwunden. Frechheit!
Fazit: Dieses Jahr ist alles anders! Eeeeendlich melde ich mich aus der Versenkung, Frechheit! Corona ist eine Frechheit! Ich hoffe, dass ich ab sofort wieder mehr Zeit habe.
PS1: Die Triebhaftigkeit vom Spackenhahn bewies sich dann noch anhand seiner…ähm…also seiner Hormonproduzierenden Organe…ähm…also….Klüten! Siehe Fotobeweis!
PS2: Aufgrund des gesteigerten Cafékonsums ist meine Cafémaschine kaputt gegangen (Ober-Frechheit!!) und ich habe mir eine neue angeschafft. Die ist noch tausendmal besser, yeah!
PS3: Da ist frau mal monatelang via PC nicht auf Facebook, da hat sich da alles komplett verändert und ich muss mich komplett neu orientieren, stöhn! Frechheit!
Einen frechfreien Tag wünsche ich Euch!❤️

 

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