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Stephanie Merritr - Bevor es dunkel wird |

25.10.20

Doofnasen Family ~ Lärm

Jäh werde ich wach. Ein ohrenbetäubender Lärm dringt direkt durch die gekippte Schlafzimmerbalkontür in meine Ohren. Völlig verschlafen und ungläubig gucke ich auf meinen Wecker. Es ist 8.03h, Samstagmorgen. Ich habe endlich mal die Möglichkeit auszuschlafen. Hätte gehabt. Beim „Nachbarn-über-Eck“ (die, die mit der gesamten Nachbarschaft, außer uns im Clinch liegen, teils auch mit Mediator und Anwalt) werden seit Wochen Wegearbeiten rund ums Haus gemacht. Allerdings nur an den Wochenenden. Weil, solche Handwerkertätigkeiten sind ja total teuer. Deswegen werden die Arbeiten schwarz gemacht. Und das geht natürlich nur an den Wochenenden. Dass bei Pflasterarbeiten permanent eine Flex eingesetzt wird, liegt in der Natur der Dinge, da sich Wegsteine leider eher schlecht von Hand durchbrechen lassen, um in die gewünschte Form gebracht werden zu können. An sich interessiert mich nicht, was andere für einen Schabernack in ihren Häusern und Gärten treiben. Aber an jenem Samstagmorgen liege ich nun wach im Bett, krampfe jedes Mal zusammen, wenn die olle Flex laut kreischend quasi meine inneren Hörorgane zerschreddert, und male mir vor meinen geschlossenen Augen die schrecklichsten Foltermethoden für diese Nachbarn aus. „Nachbarn hinten“ sind seit Tagen genervt und heulen sich bei uns über „Nachbarn-über-Eck“ aus. Ich denke über das zerrüttete Verhältnis von Nachbarn-über-Eck und „Nachbarn-hinten“ nach.

 Am liebsten würde ich im Schlafanzug rüber stapfen und mich beschweren. So richtig deutsch eben. Aber dann denke ich darüber nach, dass „Nachbarin-über-Eck“ vor ein paar Wochen hier angerufen hat und „Modell Ehegatte“ mitteilte, dass ihre Katze versucht hat, meine Küken zu jagen. Daher würde sie die sicherheitshalber ein paar Wochen im Haus lassen, damit die Küken groß genug sind, um nicht mehr in Gefahr zu sein. Wenn das nicht mal eine äußerst rücksichtvolle Handlung ist? Wie kommt´s? Ich weiß ja seit Sylvester, dass „Nachbarin-über-Eck“ ebenfalls Hühnerfan ist. Das ist der Grund, warum wir bislang noch kein Anwalts- oder Beschwerdeschreiben im Briefkasten hatten. Trotzdem sind alle genervt von ihnen und von dem ewigen Lärm an den Wochenenden. Ich liege noch eine halbe Stunde herum und beschließe dann aufzustehen, um den Doofnasen Frühstück zuzubereiten. An Schlafen ist eh nicht mehr zu denken.

 Es ist 5.12h. In Worten: fünf Uhr zwölf!! Sonntagmorgen. Ich werde wach, denn draußen höre ich die Doofnasen laut gackern. Im Halbschlaf frage ich mich, ob ich das träume oder ob es der Realität entspricht mit dem Lärm. Sie machen ein Gezeter, als sei der Mahdah oder Fux dagewesen. Zwischendrin kräht Obi den ganzen Hügel zusammen. Stinksauer liege ich im Bett und frage mich, wer schlimmer ist: die Doofnasen oder die Flex der Nachbarn.

 Tochter1: „Baoh Mama, was haben DEINE Hühner denn schon wieder? Das hat da total laut geknallt und seitdem machen die da ein Theater!“

Ich: „Das hat geknallt?“

Tochter1: „Ja, irgendwie geknallt und dann gescheppert..“

 Ich ziehe mich an und beeile mich raus zu kommen. Ich gehe um die Hausecke und sehe einen Riesen Scherbenhaufen vor der Voliere.

 Ich: „Was habt Ihr denn hier gemacht??“

Elfriede: „Hiilfeee, Chrissi, wir sollten alle ermordet werden!!“

Berta: „Das war ein Luftangriff!!“

Obi immer noch außer sich: „Meine Mädels wären beinahe alle drauf gegangen!“

Ich: „Naja, also Ihr lebt ja nun alle noch. Trotzdem frage ich mich, wie zum Teufel….“

 Auf dem Volieren Dach sehe ich einen schwarzen Schatten. Hinter dem verbliebenen Terracotta Topf taucht eines der vorwitzigen Araucaner-Marans Küken auf. Das Küken ist kräftig gewachsen, fast schon so groß wie die großen Doofnasen, ist pechschwarz mit einem unglaublich schönen Federkleid und hat faszinierende, teilweise rötliche Augen mit einem Schlitz in der Iris. Es sieht aus wie der Teufel persönlich. Da es ziemlich sicher ein Hahn ist, bekam er den Namen Lucifer. Bei seinem Anblick bin ich heilfroh, dass die Evolution dafür gesorgt hat, dass aus Raptoren dann doch die gefiederten Gesellen unserer Moderne geworden sind.

 Lucifer: „Ich war das nicht!!“

Ich: „Das Problem am leibhaftigen Teufel ist, dass man ihm nie vertrauen sollte.“

Lucifer: „Ey Chrissi, ich guck hier nur nach Würmchen unter den Töpfen, echt jetzt…“

Hinter dem Zaun: „Moiiiin!“

 Ich erschrecke im ersten Moment, dann begrüße ich Nachbarin-hinten.

 Nachbarin-hinten: „Boah Chrissi, total cool! Die Doofis haben es heute Morgen den blöden „Nachbarn-auf-Eck“ richtig gegeben! Die haben voll laut rumgezetert! Ich hoffe, dass die davon wach geworden sind, nachdem die immer ihre blöde Flex samstags anschmeißen!“

Ich: „Na, allerdings bist Du da ja auch von wach geworden? Das ja auch doof…“

Nachbarin-hinten: „Nö, ich war schon joggen!“

 Fazit: Manchmal schlägt das Karma zurück, ohne dass man es im ersten Moment begreift.

 PS1: Dem Teufel ist trotzdem nicht zu trauen.

 PS2: Wer sonntags um 5.00h aufsteht, um joggen zu gehen, dem ist auch nicht zu trauen!

 PS3: Einkaufszettel: Oropax….

 Eine ruhige Woche wünsche ich Euch!🌻

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