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Ich lese gerade

01.03.20

Die Doofnasen Family ~ Literatur


Jeder kennt es. Für wirklich alles gibt es ein Buch. Egal ob Romane, Humor oder Krimis zum Zeitvertreib, Bilderbücher für Kinder und Erwachsene, Schulbücher (warum muss ich Funktionsaufgaben in Mathe fürs Leben lernen?), Duden, Fachliteratur über Maschinenbau, Atomphysik, Autos (Mini, das Auto, welches 20 Jahre sein Modell nicht geändert hat und zur Hälfte gefahren werden konnte und zur anderen in der Werkstatt stand (eigene Erfahrung!)), oder Kindererziehung (das Töpfchen Buch – wie bekomme ich mein Kind trocken?) Literatur über Katzen (Tausende), Hunde (Millionen), Pferde (Quadrillionen) oder Hühner (immer mehr, weil in Mode)!

Bevor ich mich einem neuen Gebiet widme, oder etwas genauer wissen will, kaufe ich mir erst mal ein Buch. „Wer nicht fragt bleibt dumm“ vermittelte uns schon seit jeher die Sesamstraße. Und da ich ziemlich häufig irgendwas genauer wissen will, besitze ich sehr zum Leidwesen meiner Bücherregale inzwischen recht viele Bücher. Da die irgendwann nicht mehr in die Regale passten und die Regale sichtbar unter ihrer schweren Last litten, wurde kurzerhand ein neuer Regalkumpel in die Regal-Herde integriert, sodass nun von der Wand kaum noch was zu sehen ist. Das ist aber eigentlich ziemlich schlau, so wird die Wand nicht dreckig und man muss sie nicht so oft streichen. Ich versuche stets mit derselben müden Argumentation meine Kinder davon zu überzeugen, dass Bücher meist viel cooler als Internet sind, weil man zur Nutzung nämlich keine Steckdose braucht. Und kein WeeeLAN. Nur ein wenig Licht. Und – in meinem Fall- ein Brille. Und wer lesen kann ist klar im Vorteil. Ihr kennt das ja…

Wie schon erwähnt gibt es mittlerweile recht viele Bücher zum Thema Hühnerhaltung. Zu Rassen und Stall Bau, Zucht und Aufzucht, Geschichten, sogar Kochbücher. Viel Nützliches kann man sich da aneignen und viel Wissen aufsaugen sofern man das möchte. Im Falle der Tierhaltung ist sowas echt wichtig. Es gibt ja immer wieder Leute, die sich zum Beispiel einen Hund anschaffen und im Nachhinein feststellen, dass der erzogen werden und täglich ausgeführt werden muss. Viele scheitern an ihrer Doofheit und die Leidtragenden sind meist die Tiere, die dann im Tierheim landen oder einfach ausgesetzt werden. Auch im Falle von Hühnern macht es Sinn, sich VORHER zu informieren. Manche sind erstaunt, dass sie NACHHER feststellen, dass es Vögel sind, die Eier legen, den gesamten Garten auf Links drehen und umpflügen und nicht stubenrein werden.

Neben unzähligen Hunde und Pferde Büchern habe ich auch diverse Hühner Bücher. Zur Grundinformation ist ein Gutes Fachbuch Gold wert. Bücher wie „Hühner in meinem Garten“ oder „Happy Huhn“ sind aktuell bei vielen beliebt, „Das Huhn“ ein umfangreiches Nachschlagwerk, „Hühnerglück in meinem Garten“ sind zusätzlich zur Wissensvermittlung noch mit einem gewissen Witz und Humor geschrieben, die die Lektüre kurzweilig und lustig macht. Und wenn man dann noch zum Beispiel einen Taschenaltas für 182 Hühnerrassen stets zur Hand hat, kann man jederzeit nach neuen Lieblingsrassen Ausschau halten und in Träumereien schwelgen. Braucht man nur noch einen größeren Garten, einen weiteren Stall und noch bessere Nerven für die Nachbarschaft, denn Hühner kann man nie genug haben.

Es gibt aber auch merkwürdige Bücher, egal in welcher Sparte man unterwegs ist. Beste Beispiele sind in meinen Augen manche Esoteriknachschlagewerke. Mit denen kann man bestenfalls NACH jemandem schlagen. Manch eine Klangschalen Verfechterin hat schon versucht das eine oder andere Pferd gesund zu bimmeln oder die Legeleistung der Hühner zu verbessern. Wenn sie das noch zusätzlich im weeweewee veröffentlicht, kann man direkt Café und Popcorn holen, denn dann wird´s richtig witzig unter den Kommentaren und es beginnt eine verbale Schlacht! Wir erinnern uns zum Beispiel an den Internet Post über die Züchtung federloser Masthähnchen. Das hat jetzt zwar nichts mit Esoterik zu tun, aber es ist bei Hühnerliebhabern ebenfalls ein diskussionsträchtiges Reizthema. Da schlägt man völlig unbedarft ein schlaues Buch auf und entdeckt dort genau solch ein Bild mit der Erklärung, dass das auch ohne große Zuchtanstrengung durch natürliche Mutation entstehen kann. (Siehe Bild, Quelle: Das Huhn von Joseph Barber)

Neulich kommt meine Nachbarin vorbei und bringt mir ein Buch mit, das den verheißungsvollen Namen „fifty shades vom Huhn“ trägt. Neugierig widme ich mich dem Buch und stelle fest, dass es sich um ein „parodistisches Hühner Kochbuch“ handelt. Ein New York times Bestseller. Ich habe (leider) auch die Original Bücher „fifty shades of Grey“ gelesen, welche ich persönlich als langweilig und miserabel übersetzt empfand. Bei näherer Betrachtung sind die Rezepte aber gar nicht mal so schlecht. Zwischen den Rezepten kann man dann eine Kurgeschichte lesen mit so zweideutigen Überschriften wie „Weit gespreizte Schenkel“, „Umschmeichelte Brüste“, Hühnchen Striptease“, „Stoß mich zärtlich“ und „ausgepeitschte Leber“! Dazu gibt es Hintergrund Bilder wirklich appetitlich aussehender Brathühner oder Hühnerteile und Gerichte. Im Hintergrund allerdings dann ein muskulöser Mister „Küchen-Grey-Macho“, der lediglich mit einer weißen Küchenschürze bekleidet ist und das jeweilige Huhn entsprechend „rannimmt“.

Was man nun davon halten will, ist jedem selbst überlassen. Ich persönliche ziehe eine entspannte Atmosphäre beim Essen vor und bin nicht sonderlich scharf darauf mit meinem Essen vorher Sado-Maso-Spiele zu betreiben. Oder mir erschließt sich auch nicht die Erotik in dem Zusammenhang unter der Geschichte „Ausgepeitschte Leber“, Zitat: …Vorsichtig legt er meine bebenden Innereien in eine Bratpfanne, in der bereits ein paar weichgedünstete Zwiebeln auf mich warten. Verfickte, heilige Scheiße… kochen wir etwa, während eine Party in vollem Gang ist?“ Ich erinnere mich da dann eher an den Präparationskurs an echten menschlichen Leichen während meines Studiums und finde den Gedanken merkwürdig ein „bebendes Organ“, für mich ergo noch lebend, in eine Pfanne zu legen. In China gibt es ja in manchen Regionen solch Essverhalten, bei dem lebende Tiere verspeist werden. Ich kriege schon eine Krise, wenn mich mein Essen auf dem Teller, trotz nachweislichem Todeseintritt durch halbstündiges Kochen, noch anguckt. Bei einer herrlichen Forelle zum Beispiel. Kopf mit den Augen muss ab. Und weg. Weit weg. Sonst isst Prinzessin Chrissi das nicht!

Letztendlich gibt es aber Dinge, die in keinem Buch stehen. Erfahrungsberichte, sonderbare Besonderheiten und lustige Geschichten. Dazu liest man dann so nette Gruppen auf „Fratzenbuch“ wie Hühner Info.

Elfriede: „Erzähl uns doch mal was Chrissi, hier regnet das ununterbrochen und alles ist matschig und doof!“
Chrissi: „Leute, es gibt auf Hühner Info mittlerweile noch weitere Schreiberlinge als mich, die Geschichten über Hühner schreiben. Und welche, die total tolle Bilder von ihren Hühner machen. Und viele niedliche Küken, die in Brutautomaten geschlüpft sind. Und Hühner, die in Ägypten auf einem Balkon leben! Soll ich Euch mal die ein oder andere vorlesen?“
Mathilda: „Au jaaa, voll interessant!!“
Obi: „Aber im Stall! Hier draußen werden meine Fußfedern nass!“
Emma: „Dann schneide dem Doofi doch mal die Federn, Chrissi, ist ja nicht auszuhalten das ewig eitle Gejammer. Der heult bei fast jedem H2O-Atom herum, das vom Himmel fällt!“
Charly: „Genau! Aus Alibi tut er so, als sei er der Oberaufpasser, wenn wir im Stall ein Ei legen! Was ein Wichtigtuer! In Wirklichkeit ist er ein schissiger Stubenhocker!
Ingrid: „Ey, nun hackt doch nicht schon wieder alle auf Obi rum. Er ist ein echter Freund, dass habt Ihr nur noch nicht mitbekommen!“
Elfride gackert laut auf: „Hahaha, dass ich nicht lache! Deeer und ein echter Freund? Hab ich tatsächlich noch nichts von bemerkt…“
Mathilda: „Ingrid, Du und Obi, beiden seid ja auch das Schmusi-Busi-Liebespaar schlechthin. Ihr hängt ja eh nur zusammen rum…“
Emma: „Wo ist deeer denn ein Freund? ICH brauche einen vernünftigen Liebhaber!“
Berta: „Genau! Wir brauchen einen echten Caruso, Chrissi!“

Ich überlege, ihnen vielleicht doch besser shades of Grey vorzulesen? Oder Pettersson und Findus, „Der Hahn im Korb“. Ein echter Hühner Liebesroman, grins!

Fazit: Gute Bücher und ein guter Café sind hervorragend geeignet, um einen regnerischen Sonntagnachmittag rumzubekommen.

PS1: Wer, zum Henker, hat Federn an Hahnenfüße gezüchtet und wozu? Steht nämlich auch in keinem Buch!

PS2: Ich durchstöbere noch mal die Hühnerrassen Enzyklopädie. Vielleicht gibt es ja doch einen schicken gleichgroßen Liebhaber für die Doofnasen? Das Buch sollte dann vielleicht in „Big Chicken love – finde den Partner fürs Leben“ umgetauft werden…

Einen lesereichen Sonntag wünsche ich Euch!

Übrigens passend zu diesem Thema gibt es heute eine neue Rezension. Das Buch von Robert Höck "Happy Huhn" hab ich gelesen und fand es super interessant.


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